Probleme Ka6 (sowie K7, K8, ASK 13, ASK 16, ASK 18) beim Höhenruder

12.08.2021 22:36
#1
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Moderator

Liebe Mitstreiter:innen, wahrscheinlich sind die jüngsten TMs von Schleicher zum Höhenruder bekannt. Wir würden gerne an dieser Stelle Vorschläge zur Lösung des Problems diskutieren.

Zum Einstieg eine kurze Darstellung des Problems: Bei den Höhenrudern gibt es Probleme mit der Festigkeit der Verleimung der Rippe 1. Im schlimmsten Fall kann dies bedeuten, dass das Ruder nicht mehr angelenkt wird und sogar im Flug demontieren kann. Besonders bei einer K7 in den USA gibt es einen bedenklichen Fall.

Schleicher hat nun die Inspektionsintervalle verkürzt und Beschränkungen (keinen Wolkenflug, kein Trudeln, keinen Kunstflug) vorgenommen. Als Musterbetreuer liegt es Schleicher natürlich nahe, im Sinne der Flugbetriebssicherheit zu handeln.

Aus unsere Sicht im Bundesausschuss Historie und Technik liegt das Problem allerdings tiefer. Offenbar kommt eine Verleimung mit Kaurit an das Ende ihrer Lebenszeit. Kaurit ist ein harnstoffbasierter Leim, der zum Abbinden Salze benötigt. Es gint bereits aus den 60iger Jahren UNtersuchungen, die belegen, dass 30-40% der Säuren nicht im Leim gelöst werden und das Holz selbst schädigen. Dies ist offenbar der Hauptgrund für Delaminierungen.

Auch wenn Schleicher zurzeit das Problem (noch) auf das Höhenruder reduziert, kommt ein insgesamt größeres Problem auf uns zu. Es gibt zudem deutliche Hinweise, dass die Wartung und Haltung von Holzflugzeugen wesentlich zu ihrer Haltbarkeit beiträgt.

Wir würden gerne hier Fachwissen sammeln. Gibt es zum Beispiel Chemiker, die mithelfen können, die Probleme zu analysieren und Vorschläge für Lösungen zu erarbeiten? Es wäre sehr schade, wenn in absehbarer Zeit Holzflugzeuge (bis auf wenige gut gepflegte und gewartete Exemplare) nur noch am Boden stehen.

Hinzu kommt, dass die TMs nicht nach den verwendeten Leimen unterscheiden. Festigkeits- und Haltbarkeitsprobleme in der beschriebenen Art bestehen offenbar für Verleimungen mit Aerodux nicht. Die TMs unterscheiden aber nicht nach den verwendeten Leimen.

Ich würde mich freuen, wenn das Thema hier zahlreich diskutiert wird und neue Anregungen einfließen.
Vielen Dank
Alexander Willberg

Bundesausauschuss Historie & Technik im DAeC e.V.


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15.10.2021 10:25
#2
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Nun ist die AD der EASA erschienen.Damit handelt es sich nicht mehr um eine technische Mitteilung, sondern um eine zu erfüllende Pflicht. Die ATMs sind anzupassen und das Flug- und Betriebshandbuch zu ergänzen. Der Bundesausschuss Historie und Technik hatte eine Stellungnahme im Anhörungsverfahren der EASA abgegeben, sie wurde allerdings verworfen.
Die AD unterscheidet nicht danach, ob ein Höhenruder mit Kaurit oder Aerodux (oder Aerolite) verleimt wurde. Offenbar überwiegen die konstruktiven Mängel, es kann aber nicht ausgeschlossen werden, dass insgesamt zu geringe Kenntnisse zu Leimen und deren Haltbarkeit vorliegen.

Wir regen daher dringend an, dass ein Verfahren zu Mängelbehebung für das Höhenruder entwickelt und im Rahmen eines STC zugelassen wird.

Bundesausauschuss Historie & Technik im DAeC e.V.

Dateianhänge
  • EASA_AD_2021_0230.pdf
  • EASA_CRD_PAD_21_100.pdf
  • EASA_PAD_21_100.pdf

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25.10.2021 13:05 (zuletzt bearbeitet: 25.10.2021 20:41)
#3
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Moderator

Der Bundesausschuss Historie und Technik prüft, ob bei der EASA ein STC (falls nötig) für eine umfängliche Reparatur der betroffenen Höhenruder beantragt werden soll. Die folgenden Bilder zeigen den Reparaturvorschlag, eine Verstärkung aus Metall wird nicht eingebaut, da dies voraussetzen würde, dass die Konstruktion ursprünglich fehlerhaft gewesen ist. Die betroffenen Flugzeuge sind aber 50 Jahre und mehr problemlos geflogen.
Eine erste Auswertung aus früheren Reparaturen beschädigter mit Kaurit verleimter Höhenruder weist aber darauf hin, dass die Rippe 1 nicht ausreichend angepresst wurde, gleiches gilt für die Nasenleiste. So ist auf den Schaubildern eine Leimraupe nicht zu erkennen. Hier sollte mit Nasenzwingen gearbeitet werden.
Unter Einbeziehung des LBA und der EASA möchten wir eine Musterreparatur durchführen, verleimt wird mit Aerodux. Hierfür soll ein gut dokumentiertes Verfahren erstellt werden.
Die angefügten Bilder zeigen, wie eine solche Reparatur durchgeführt werden könnte. Die Beplankung wurde bis Rippe 3 entfernt, damit genügend Sperrholz für den Ansatz der Nasenzwingen vorhanden ist. Vor Rippe 1 wird ohnehin ein Stück der Rippenbeplankung ausgeschnitten. Da wo die Nasenzwinge am Sperrholz angesetzt wurde, wird das Holz soweit beschädigt, dass es nicht mehr verwendet werden kann.

Bundesausauschuss Historie & Technik im DAeC e.V.

Bildanhänge
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